Liebe Leserinnen und Leser,
Die Bürger von Duisburg, die gegen Abend des 6.
September 1610 draußen vor den Wällen der Stadt Duisburg sich
ergingen, sahen wohl auf den Landstraßen mehrere Reisewagen fahren, die
sich beeilten, noch vor Toresschluss in die Stadt zu kommen. Alte rumpelige
Kasten mit federlosen Achsen, manche nur mit einer Plane überdeckt.
Zuweilen zeigt sich einer der Insassen dieser Wagen. Dann sind es meist blasse
Gelehrtenköpfe, was man erblickt, daneben biedere ehrbare
Bürgergesichter, dann und wann auch wohl ein mannhaftes und beherztes
Gesicht.
So phantasievoll malt die Festschrift zum
400-jährigen Jubiläum die Ankunft der 36 Teilnehmer der ersten
reformierten Generalsynode in Duisburg aus, denn 1610 schlug die Geburtsstunde
der evangelischen Kirche im Rheinland. In einer kurzen politischen Atempause
vor dem sich bereits am Horizont abzeichnenden Dreißigjährigen Krieg
versammelten sich damals die Delegierten in Duisburg um eine eigenständige
reformierte Kirche am Niederrhein zu gründen.
Weitgehende
Entscheidungen wurden gefällt. So legte die Synode fest, dass der
Heidelberger Katechismus als die Summa der in Gottes Wort gegrundten
Religion gelten soll. Vor der Berufung eines Pfarrers sollte die Gemeinde
prüfen, ob sie ihn selbsten unterhalten kann. Jede Gemeinde
wurde verpflichtet, einen Schulmeister für die Jugend
anzustellen. Außerdem wurde bestimmt, dass jede Kirchengemeinde ein
Presbyterium einzurichten hatte.
Mit Klugheit, Besonnenheit und
Weitsichtigkeit haben die Teilnehmer der ersten reformierten Generalsynode in
Duisburg 1610 agiert. Das Abschlussprotokoll vermerkte denn auch zufrieden:
Und ist also dieser Synodus nach gethaenem Gebet beschlossen, und
seint auch darauf die sembtliche Brüder in Fried, Lieb und Einigkeit von
einander gescheiden.
Wir freuen uns sehr, dass wir Ihnen
angesichts dieses historisch bedeutsamen Jubiläums in Kooperation mit dem
Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland eine Ausstellung präsentieren
können, die den politischen und gesellschaftlichen Kontext der Zeit
skizziert. Darüber hinaus illustriert diese Ausstellung das Fortleben der
Synodenbeschlüsse von 1610, zunächst bis zur letzten Generalsynode
1793, dann ihre mittelbare Wirkung vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Bildtafeln und historische Dokumente, aber auch Exponate aus Kirchen
und Museen veranschaulichen das kirchliche und gesellschaftliche Leben im
Rheinland über fünf Jahrhunderte. Zusätzlich erinnern 2010 eine
Sondersynode der Evangelischen Kirche im Rheinland, ein Schülerwettbewerb
und ein Förderpreis an dieses bedeutsame Ereignis. Im Anschluss wird die
Ausstellung als Wanderausstellung für die rheinischen Kirchenkreise zur
Verfügung stehen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Dr.
Susanne Sommer Museumsdirektorin

Terminübersicht
Sondersynode der Evangelischen Kirche im Rheinland
Salvatorstatue. Christus als Salvator Mundi, Schutzpatron der 1415 vollendeten
Salvatorkirche
|
So 5.9. 12
Uhr Ausstellungseröffnung DAMIT EXTREMA VERHÜTET
WERDEN ... DIE ERSTE REFORMIERTE GENERALSYNODE 1610 ZWISCHEN
MACHTPOLITIK UND NÄCHSTENLIEBE Führungen So 19.9., 3.10.,
17.10. und 31.10.2010, jeweils um 15 Uhr |
Di Do 7.
9.9. DIE ERSTE REFORMIERTE GENERALSYNODE 1610
AUS SICHT DER WISSENSCHAFT Offener Kongress der Evangelischen Kirche
im Rheinland Informationen unter www.wir-sind-so-frei.de
Mi 8.9. 19
Uhr ÖFFENTLICHER ABENDVORTRAG Zur Bedeutung der 1.
Reformierten Generalsynode spricht Petra Bosse-Huber, Vizepräses der
Evangelischen Kirche im Rheinland
So 12.9.
11 13 Uhr MÜNZENBERATUNG IN DER SAMMLUNG
KÖHLER-OSBAHR Bei der Münzenberatung erfahren Sie mehr
über Ihre alten Taler. Eine gute Gelegenheit, sich auch die
Ausstellung anzuschauen. Ralf H. Althoff
So 12.9. 14 bis ca. 15.30 Uhr RUND UM DIE
KAISERPFALZ Führung zu den archäologischen Denkmälern im
Stadtgebiet Treffpunkt am Museum Erwachsene 6 Euro, Kinder 3 Euro,
Museumseintritt inklusive
So 19.9. 12 16
Uhr MITTELALTERLICHES PILGERWESEN Aktion zum
Marina-Markt Projekte zur lebendigen Geschichte e.V.
So
19.9. 15 Uhr DAMIT EXTREMA VERHÜTET WERDEN
... Führung durch die Ausstellung zur 1. Reformierten
Generalsynode.
Mi 22.9. 19.00 Uhr
Dr. Annemarie Willemsen (Rijksmuseum van Oudheden
Leiden): "VON DUISBURG NACH DORESTAD - Handel in einem
mittelalterlichen Europa ohne Grenzen" Festvortrag im Rahmen der Tagung:
Archäologie und Geschichte im Ruhrgebiet "Von Jägern,
Händlern und Hüttenleuten"
So 26.9. 14
Uhr EKSI KENTIN YENI TARIHI -
DUISBURG Türkischsprachige Führung durch die Stadtgeschichte-
Ausstellung zu den Interkulturellen Wochen 2010-09-01 Asligül Aysel
So 26.9 15 bis 17
Uhr FRAUENLEBEN IM MITTELALTER Aktion in der
Mittelalter-Ausstellung zum Frauenkulturfahrplan RUHR.2010
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