STUFEN von Hermann Hesse

STUFEN ist der Titel eines der bekanntesten philosophischen Gedichte von Hermann Hesse.
Er schrieb das Gedicht am 4. Mai 1941 nach langer Krankheit.

In STUFEN beschreibt Hesse das Leben als fortwährenden Prozess, bei dem auf jeden „durchschrittenen“ Lebensabschnitt ein neuer folgt.

 

Bekannt sind die beiden Zeilen:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben“.

 

Dieses Gedicht fanden wir zum Ausklang der Präsentation, die sich von Kindheitserinnerungen, Erinnerungen und Gedenken, kleinen und großen Abschieden bis hin zu dem Thema Abschiednehmen erstreckt, passend.

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

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Sprecherin: Biggi Wanninger
Tonaufnahme: Tino Selbach