Die dunkle Seite der Macht des Geldes
Erzbischof und Falschmünzer
Ein Leben im Luxus, Fehden, hohe Militärausgaben und die Illusion, Schulden durch Münzverschlechterung und Fälschung verschwinden lassen zu können.
Von Harald Küst
Dietrich von Moers war seit 1414 Erzbischof von Köln – und vor allem eines: ein skrupelloser Machtpolitiker. Sein Ziel war es, seine territorialen Ansprüche im Westen und Nordosten des Heiligen Römischen Reiches durchzusetzen. Dafür nutzte er jedes Mittel. Geschickt baute er ein Netzwerk familiärer Macht auf. Seine Brüder Heinrich und Walram brachte er auf die Bischofsstühle von Münster und Utrecht. So sicherte er sich politischen Einfluss weit über Köln hinaus. Gleichzeitig liebte Dietrich den Luxus. Prächtige Feste, Jagden und aufwendige Schauspiele gehörten zu seinem Alltag. Auch Gelehrte der Kölner Universität versammelte er gerne um sich. Um Könige und Päpste für seine Interessen zu gewinnen, setzte er auf großzügige Geschenke und diplomatisches Geschick. Sein aufwendiger Lebensstil verschlang enorme Summen.
Der Erzbischof als Falschmünzer
Im Jahr 1409 unterzeichnete Dietrich, einer der rheinischen Kurfürsten, einen Münzvertrag, der das Gewicht und den Edelmetallgehalt des Rheinischen Guldens festlegte. Später ignorierte er jedoch die eigenen Regeln. In Deutz ließ er sogenannte „Utrechter Postulatsgulden” prägen, die nur etwa ein Drittel des eigentlichen Wertes hatten, da sie einen deutlich geringeren Goldgehalt aufwiesen. Die untergewichtigen Gulden waren faktisch Falschgeld und verschlechterten die wirtschaftliche Lage seines Erzstifts langfristig erheblich.Da das Geld dennoch knapp blieb, erhöhte Dietrich zusätzlich Steuern und Abgaben. Die Bürger von Soest wollten sich das nicht länger gefallen lassen. Am 25. Juni 1444 kündigte die Stadt dem Erzbischof die Gefolgschaft auf und stellte sich unter den Schutz des Klever Herzogs Adolf II. und dessen Sohn Johann I., wodurch die sogenannte Soester Fehde begann – ein erbitterter Konflikt zwischen Dietrich von Moers und dem Herzogtum Kleve. Weil Duisburg damals zum Herzogtum Kleve gehörte, rückte die Stadt schnell ins Visier des Erzbischofs.
Der gescheiterte Angriff auf Duisburg
In der Nacht zum 12. März 1445 versuchten Kölner Truppen, Duisburg überraschend einzunehmen. Doch der Plan scheiterte spektakulär. Der Überfall wurde rechtzeitig von den sogenannten Wartfrauen bemerkt – Wächterinnen der Stadt, die Alarm schlugen. Als die Angreifer die Stadtmauern erklimmen wollten, wurden sie erfolgreich zurückgeschlagen. Bis heute erinnert am Marientor der legendäre Ausruf „Verlörkes Brück” an das Fiasko des Erzbischofs. Die Gruppe „Mercators Nachbarn” hält mit szenischen Lesungen die gescheiterte Eroberung bis heute lebendig.
Der Niedergang eines Machtmenschen
Trotz seiner Niederlage gab Dietrich nicht auf. Verbissen führte er den Krieg gegen Soest weiter, scheiterte jedoch endgültig im Jahr 1447, als seine Söldner davonliefen, weil er sie nicht mehr bezahlen konnte. Auch die Folgen seiner Falschmünzerei holten ihn ein. Im Jahr 1460 zwang ihn die Stadt Köln, den Wert seiner gefälschten Münzen offiziell herabzusetzen. Der einst mächtige Erzbischof war politisch und wirtschaftlich am Ende. Als er 1463 starb, hinterließ Dietrich von Moers ein hoch verschuldetes und verarmtes Erzstift.
Tipp
Besuch des Kölner Doms: Das Epitaph des Erzbischofs Dietrich von Moers wurde von Dombaumeister Konrad Kuyn 1460 bis 1463 geschaffen.
Titelbild
Anton Woensam: Köln 1531









