Duisburgs grüne Schatzkammer – Blick hinter die Kulissen unserer Ausstellung
Von Harald Küst
Direkt vor unserer Haustür erstreckt sich ein erstaunliches Natur- und Geschichtsdenkmal: Zusammen mit dem Broich-Speldorfer Wald in Mülheim, der Huckinger Mark und der Grindsmark umfasst unser Waldgebiet fast 30 Quadratkilometer!
Ein alter Spruch, den sich früher die Zwerge in den Sagen unserer Heimat zuraunten, bringt es auf den Punkt: „Ich bin so alt wie der Duisburger Wald!“ – denn diese grüne Schatzkammer ist nicht nur ein Ort der Ruhe, sondern vor allem steinalt und legendenumwoben.
Sagen von versunkenen Klöstern, heiligen Quellen, grollenden Zwergen und Räuberbanden erinnern an Erzählungen aus fernen Zeiten.
Im Gespräch mit Frau Dr. Gropp, der kommissarischen Leiterin des Stadtmuseums, werden weitere spannende Themenakzente deutlich: „Vom vermeintlich wilden Naturraum der Antike hin zu einer intensiv genutzten Ressource für Bergbau, Viehzucht und Brennmaterial. Heute steht er als schützenswertes Ökosystem für den perfekten Schulterschluss von Natur, Mythologie und Stadtentwicklung.“
Machtkämpfe, Steinbrüche und ein königlicher Streit
Im Mittelalter war der Wald vor allem eines: reine Herrschaftssache. König Heinrich IV. schenkte im Jahr 1065 die begehrten Forstrechte kurzerhand seinem Erzieher, dem Erzbischof von Bremen. Von dort aus gelangten sie später an die mächtigen Herzöge von Limburg.
Doch die Duisburger Bürger ließen sich ihre Ressourcen nicht einfach nehmen. Im Jahr 1129 kam es zum entscheidenden Wendepunkt: Nach einem handfesten Konflikt zwischen König Lothar III. und Herzog Walram III. von Limburg griff der König ein und beschränkte die herzoglichen Rechte zugunsten der Stadt! Die Duisburger sicherten sich damit offiziell das Recht, im Steinbruch Steine zu brechen. Die Urkunde, die diesen Vergleich besiegelte, ist nichts Geringeres als das älteste überlieferte Dokument der Duisburger Geschichte im Stadtarchiv. Über die Jahrhunderte wandelte sich der Wald zur begehrten Nutzquelle: Holz für den Bau, Brennmaterial, Weideplatz für die Viehzucht und vergebliche Versuche, nach Kohlen zu graben.
Von der Eichelmast und Wildpferden
Wenn im 16. Jahrhundert die Schweine zur Eichelmast in den Wald getrieben wurden, hatte jeder Bürger, der Anteile am Wald besaß, Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Schweinen. „Die Schweine – oft mehr als 3.000 an der Zahl – wurden auf dem Marktplatz oder im Hof des Minoritenklosters gebrandmarkt, wofür eine Gebühr zu entrichten war,“ so Stadtarchivar Milz. Aber es waren nicht nur Schweine, die sich im Duisburger Wald an den Eicheln satt fraßen. Im Wald hielten sich lange hunderte Wildpferde auf. Die Duisburger waren oft genervt von den Wildschäden, die die Pferde in ihren Feldern anrichteten. Erst gegen Ende des Jahres 1814 wurde das Wildgestüt aufgelöst. Die Herde wurde von mehr als 2.500 Helfern in Angermund zusammengetrieben. Anschließend konnten am 13. Februar 1815 260 Tiere verkauft werden.
Räuberbanden im Duisburger Wald
Und noch um 1800, zur Zeit Napoleons, war der Duisburg-Mülheimer Wald nicht ungefährlich: Räuberbanden trieben hier ihr Unwesen, darunter der berüchtigte Räuberhauptmann Mathias Weber, genannt der „Fetzer“, an dessen wilde Zeiten in der Ausstellung sogar eine historische Steinschlosspistole und eine geraubte Schatzkiste aus dem Neusser Rathaus erinnern. Seine Bande hielt sich nach dem Überfall auf einen Pfarrer von Mülheim 1797 im Steinbruch im Duisburger Wald auf und deponierte hier ihre Beute. Vermutlich war der Fetzer auch für einen brutalen Überfall im Biegerhof im heutigen Duisburger Süden verantwortlich. Erst 1802 wurde er gefasst und 1803 in Köln öffentlich hingerichtet.
Vom Sagenwald zum lebendigen Ökosystem
Heute ist der Duisburger Wald kein schauriger Unterschlupf mehr, sondern eine lebenswichtige Oase:
• Artenreich & geschützt: Über 75 gefährdete Tier- und Pflanzenarten haben in den alten Baumkronen, den Lichtungen und am Waldboden ihren geschützten Rückzugsort gefunden.
• Waldbaden (oft unter dem japanischen Originalbegriff Shinrin yoku bekannt) beschreibt das bewusste Verweilen im Wald, um Körper und Geist durch die Atmosphäre der Natur zu stärken. Die Waldluft stärkt das Immunsystem, senkt den Stressspiegel spürbar und hebt die Stimmung zu jeder Jahreszeit.
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Wir freuen uns darauf, Sie im Museum zu begrüßen!











