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Mercator-Matinéen 2019

Schon immer haben Menschen versucht, markante geographische Gegebenheiten zeichnerisch festzuhalten. Die ersten “Karten” wurden in Tontafeln oder Tierknochen geritzt, erst in der griechischen Antike wird die Geographie und mit ihr auch die Kartographie, dann zu einer Wissenschaft. Ca. 150 n. Chr. verfasst der “Vater” aller Geographen und Kartographen, Claudius Ptolemäus, in acht Bänden ihr Grundlagenwerk.

“Chártes” war bei den antiken Griechen das aus dem Blatt der Papyrusstaude hergestellte Papier. Die Notwendigkeit von Karten lag auf der Hand, denn die Routen der griechischen Seefahrer mussten festgehalten werden, damit die entdeckten Orte auch wiedergefunden werden konnten. Nach einem Bonmot des Philosophen Peter Sloterdijk hat Platon schon deshalb so viel Wert auf “absolute Wahrheiten” in Mathematik und Geometrie gelegt, um dem täglich in Athen neu eintrudelnden Seemannsgarn etwas entgegenzusetzen.

Zwei Jahrtausende später sind durch die Digitalisierung viele Papierkarten – wie auch “Tageszeitungen” – beinahe zu einem Anachronismus geworden. Solange sie funktionieren und genügend Strom haben, geben GPS-Geräte unsere exakte Position an, und wenn wir uns trotzdem verlaufen, verfahren, versegeln oder verfliegen, werden wir beruhigt: “Ihre Route wird neu berechnet…!”

Hinter dem Display eines Smartphones oder Navigationsgerätes “verstecken” sich aber nach wie vor Bestandteile einer genialen Erfindung von Gerhard Mercator, dem “Ptolemäus der Neuzeit”. Grund genug, das 450-jährige Jubiläum seiner revolutionären Kartenprojektion, die er erstmals 1569 auf seiner Weltkarte einsetzte, mit einer Podiumsdiskussion bei den Mercator-Matinéen zu würdigen.

“Als die Welt noch groß war, weit und unerforscht, wurde ihr Gewicht in Erfahrungen gewogen”, lautet der erste Satz der Biografie von Jürgen Goldstein über Georg Forster. Mit Forster und Friedrich Sellow widmen wir uns zwei immer noch unterbewerteten deutschen Entdeckern und mit dem Venezianer Marco Polo dem berühmtesten Reisenden des Mittelalters.

Aber auch in unseren Tagen machen sich Abenteurer auf den Weg. Sie erkunden unbekannte, magische Orte oder hoffen bei indigenen Völkern vermeintlich ursprüngliche Erfahrungen zu machen. Zwei von ihnen werden uns berichten, ob sie gefunden haben, was sie suchten.

Die diesjährigen Mercator-Matinéen sind auch eine Ergänzung zur aktuellen Ausstellung “Sagenumwoben! Goldstädte, Paradiesorte und ferne Welten” im Kultur- und Stadthistorischen Museum (16. Juni 2019 – 26. Januar 2020)

>> Hier können Sie  das Programm 2019 als pdf downloaden!

 

Mercator-Matinéen 2018

Einen Steinwurf entfernt von der „Mercator-Schatzkammer“ im Kultur-und Stadthistorischen Museum befindet sich am Duisburger Rathaus die Kant-Gedächtnistafel, auf der man eines der berühmtesten Zitate des großen Denkers der Aufklärung lesen kann:
„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“
Immanuel Kant (1724-1804) hat sich in jungen Jahren auch als Astronom betätigt. Beim Blick in den Himmel stellte auch er sich die Frage nach außerirdischem Leben und kam zu dem Schluss, dass die Existenz von Lebewesen auf anderen Planeten unseres Sonnensystems sehr wahrscheinlich sei. Zudem formulierte er ein – aus heutiger Sicht sonderliches – Sonnenabstandsgesetz, nach dem die geistigen Fähigkeiten von Lebewesen zunehmen, je weiter sie von der Sonne entfernt leben. Aus einer geistigen Überlegenheit folgt demnach auch eine moralische Überlegenheit,
weswegen die Menschen aus geistiger und moralischer Perspektive nicht mehr als „Krone der Schöpfung“ zu betrachten seien. In seiner „Kritik der reinen Vernunft“ hat Kant dann noch grundsätzlicher über das Universum nachgedacht. Für ihn konfrontiert uns die Beschäftigung mit dem Universum auch mit den Grenzen unserer Erkenntnis und Vorstellungskraft, denn wir können uns weder ein endliches noch ein unendliches Universum vorstellen.

In seinem Haus in der Duisburger Oberstraße werden auch dem Kartographen und Kosmologen Gerhard Mercator (1512–1594) Gedanken dieser Art durch den Kopf gegangen sein, wobei alles dafür spricht, dass er an der biblischen Schöpfungsgeschichte und dem Menschen als Krone einer göttlichen Schöpfung niemals gezweifelt hat. Für ihn wird Gott seinen Platz tatsächlich im Himmel gehabt haben. Wo, wenn nicht oben – in der von Ptolemäus postulierten neunten Himmelssphäre – sollte der Höchste sein?

>> Hier können Sie das Programm 2018 als pdf downloaden!

 


 

Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg
Mercator-Gesellschaft Duisburg
Bürgerstiftung Duisburg
VHS Duisburg

Eintritt zu den Matinéen: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
Beginn immer um 11.15 Uhr
Kartenreservierungen empfohlen!
Tel: 0203 283 2640 oder ksm@stadt-duisburg.de
Ein Glas Wein oder Saft sowie der Besuch der Ausstellungen sind inklusive!

 


 

Rückblick So 30. Oktober 2016

Bestimmend? – Mensch und Technik

Die philosophische Anthropologie geht der Frage nach, was den Menschen zum Menschen macht. Möglicherweise sein Umgang mit der Technik? Ein Kern-Argument philosophischer Anthropologen ist häufig die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier. Im Vorfeld des sehr gelungenen Gesprächs hatte Pfarrer Winterberg in der Salvatorkirche eine Predigt zum facettenreichen Verhältnis von Mensch und Technik gehalten.

>> Gespräch zwischen Professorin Birgit Recki von der Universität Hamburg und Jürgen Wiebicke vom „Philosophischen Radio“ (WDR 5)

 


 

Rückblick So 3. April 2016, 11:15 Uhr,
Maximilian Letze stellt die Erfindungen des Universalgenies Leonardo da Vinci vor.

Leonardo da Vinci. Erfinder und Wissenschaftler

Leonardo da Vinci prägte wie kaum ein anderer die zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends. Während Werke seines künstlerischen Schaffens, wie die “Mona Lisa” oder das “Abendmahl”, weltweit bekannt sind, wird der Vortrag eine weitaus weniger beachtete Seite des Universalgenies da Vinci präsentieren: Leonardo als Erfinder und Wissenschaftler. Sein Erfindungsgeist wird zum bestimmenden Thema und beleuchtet wird wie sehr seine künstlerische Begabung verknüpft war mit einem schier unstillbaren Fortschrittsdrang und mit der Faszination für die Möglichkeiten der “modernen” Technik.

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Es wird Wagen geben, die von keinem Tier gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daherfahren.“ (Leonardo da Vinci, italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph, 1452 bis 1519).

Maximilian Letze

Studierte Kommunikationswissenschaften und Kunstgeschichte am Emerson College, in Boston, USA und Betriebswirtschaft an der Universita Commerciale Luigi Bocconi in Mailand. Er vollendete sein Studium mit einem Master of Arts in Globalisierungsforschung des Erasmus Mundus Consortiums der Universität Leipzig. Seit 2013 ist er Geschäftsführer des Instituts für Kulturaustausch, welches seit über 25 Jahren internationale Tourneeausstellungen kuratiert und organisiert. Er ist u.a. Kurator der Ausstellung „Leonardo da Vinci. Erfinder und Wissenschaftler“.

 


 

Rückblick
Vortrag Prof. Dr. Ottmar Ett, Universität Potsdam

Ottmar EtteDER KOSMOS ALEXANDER VON HUMBOLDT(S)

Mehr als eine Stunde fesselte der international renommierte Humboldt-Forscher Professor Dr. Ottmar Ette die Zuhörer der Mercator Matinéen mit seinem frei gehaltenen Vortrag zu Leben und Werk eines der letzten Universalgenies. Mit lang anhaltendem Beifall endete damit die letzte Mercator Matinée der Staffel 2015.

Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, hier ein Link aus der Kurzfilmreihe „Wissenschaft für die Zukunft“ , in der Prof. Ette noch einmal die Leistungen Alexander von Humboldts zusammenfasst.